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Bologna/London/Wien (pte, 04.10.2005)
Doch diese Ergebnisse waren
nicht alles: Erst im Juli 2005 hatte das Institut an weiblichen
Ratten eine signifikant höhere
Rate an Leukämie und Lymphomen attestiert. Und das bei Dosen,
die sehr nahe an jene von Menschen, die zuckerfreie Getränke
zu sich nehmen, herankommt.
Die Aspartam-Hersteller wehren
sich, wie die Zeitung Guardian berichtet, heftig gegen diese
Ergebnisse. Sie stehe in Konflikt mit hunderten anderen, positiven
Studien, die eine Gefahrlosigkeit des Kunstzuckers beweise.
Doch damit endet die Kritik der Hersteller nicht: sie stellen
das gesamte Forschungsinstitut in Frage und werfen den Wissenschaftler "kriminielles
Handeln" vor, da die Daten ohne vorherige Einsicht der Behörden
veröffentlicht wurden.
Logisch, dass die Wogen hochgehen: Aspartam
(auch als E 951 bezeichnet) findet sich immerhin in rund 6.000
Lebensmitteln - bevorzugt in Getränken wie Cola-Getränken,
aber auch in Joghurts, Kaugummis, Zeralien, Snacks, Süßigkeiten
und Desserts. Der Stoff ist 200 Mal süßer als Zucker. Schätzungen
gehen davon aus, dass mehr als 350 Mio. Menschen regelmäßig
Lebensmittel mit dem Süßstoff zu sich nehmen. Experten rechnen,
dass mehr als 60 Prozent aller Süßstoffe auf Aspartam entfallen.
Nach Angaben der European Food Safety Authority gibt es bisher
keine gesundheitlichen Bedenken gegen Aspartam. Obwohl es eine "kontroversielle
Geschichte" des Süßstoffes gibt, da er sehr häufig von Kindern
und Schwangeren zu sich genommen wird. "Das war der Grund,
warum wir Studien über Aspartam durchgeführt haben", erklärt
Morando Soffritti, Direktor des Instituts. Drei Jahre lang
haben die Forscher die Ratten untersucht, denen sechs verschiedenen
Dosen des Süßstoffs verabreicht wurden. Das Ergebnis lautet:
Aspartam ist ein multipotenzielles Karzinogen".
Doch damit
ist immer noch nicht genug Forschungsarbeit geleistet, wie
das Institut berichtet. Nun soll eine weitere Studie and Embryos
von Ratten und Mäusen folgen.
Die großen Hersteller des Süßstoffes protestieren gegen die Ergebnisse: Allen
voran der japanische Konzern Ajinomoto. Der Süßstoff sei seit 25 Jahren unbedenklich.
Aspartam besteht aus Aminosäuren und zerfällt in die Aminosäuren Phenylalanin
und Asparaginsäure sowie Methanol. Gerade vor dem giftigen Methanol warnen die
Forscher. Seine giftige Wirkung beruht auf der in der Leber erfolgenden Oxidation
zu Formaldehyd und später zu Ameisensäure. Aspartam darf außerdem von Menschen
mit der Krankheit Phenylketonurie nicht eingenommen werden. Deshalb müssen Lebensmittel,
die Aspartam enthalten, den Hinweis "enthält eine Phenylalaninquelle" tragen.
Die Hersteller argumentieren, dass Aspartam einen wesentlichen Beitrag leiste,
um die Kalorienzufuhr zu verringern. "Das ist falsch. Die künstliche Süßstoffe
bewirken nämlich, dass es spätestens 90 Minuten nach der Einnahme ein wahnsinniger
Heißhunger entsteht", so Mediziner Klaus Rhomberg im pressetext-Interview. "Der
Organismus nimmt den Süßstoff nämlich als Zucker wahr und stellt sich darauf
ein. Dadurch fällt der Glukosespiegel im Körper", erklärt der medizinische Biologe.
Die Folge sei dann eine wahre Fressattacke. Auch in der Schweinemast funktioniere
das.
Rhomberg weist außerdem daraufhin, dass Aspartam wie auch zahlreiche andere
Nahrungsmittelzusatzstoffe von gentechnisch manipulierten Mikroorganismen hergestellt
wird. "Dies wissen die wenigsten Menschen", meint der Mediziner abschließend.
Allen Kritiken zum Trotze hat die International Sweeters Association erst in
der Vorwoche erklärt, dass Aspartam eines der am häufigsten getesteten Lebensmittelzusatzstoffe
ist. "Alle Evaluierungen wurden von unabhängigen und international anerkannten
Forschungsstellen durchgeführt und diese hätten es als sicher eingestuft", hieß es
in der Aussendung.
pressetext.austria
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