New
York (pte, 4. Mär
2003)
Botox
als neues Penicillin zu bezeichnen ist zwar nach Ansicht
der Forscher noch etwas verfrüht,
dennoch sehen amerikanische Wissenschaftler im "Supergift" große
Chancen. Behandlungen in der Schönheitschirurgie zählen
in der Zwischenzeit zur Alltäglichkeit. In anderen medizinischen
Anwendungen hat sich die giftige Substanz ebenso bewährt,
berichtet die New York Times http://www.nytimes.com
Botox hat sich in der Schönheitschirurgie als Faltenbeseitiger
einen Namen gemacht, das Toxin wurde bei Patienten, die nach
Schlaganfällen gelähmt waren, eingesetzt. Auch in
der Migräne-Behandlung, beim Tennis-Arm-Syndrom, bei Inkontinenz,
bei Rückenschmerzen und bei Gesichtslähmungen wurde
mit dem Toxin gearbeitet. Wissenschaftler haben Muskellähmungen
mit Botox unter Kontrolle gebracht, so etwa Scheidenkrämpfe,
die einen Geschlechtsverkehr schmerzhaft machen oder bei krankhafter
Fettleibigkeit, bei der der Muskel, der die Nahrung aus dem
Magen lässt, mit dem Toxin behandelt wurde. Einige der
Anwendungen sind so weit geprüft, dass sie bereits bei
der amerikanischen Food & Drug Administration (FDA) gelandet
sind und dort auf eine Zulassung warten. Bei anderen Anwendungen
steht die Forschung noch am Anfang, berichtet die New York
Times. Wissenschaftler sind sich aber einig, dass das Toxin
als Heilmittel ein großes Spektrum umfasst.
"Botox hat ein enormes Potenzial", so der Neurologe Robert
Daroff, der ehemalige Herausgeber des Fachmagazins "Neurology",
der zwar mit dem Toxin nicht gearbeitet hat, aber die Ergebnisse
bei Migräne-Patienten untersucht hat. Jean Carruthers,
Augenspezialist an der University of British Columbia, vergleicht
Botox mit Penicillin, weil es ebenso wie dieses ein organisches
Derivat eines Bakteriums ist. "Darüber hinaus sind
die Anwendungsgebiete von Botox einfach vielfältig",
so der Wissenschaftler. Botox hat viele Vorteile, die andere
Schmerzmittel nicht haben, dazu zählt etwa die lokale
Wirkung genau dort, wo es injiziert wurde. Es kann überall
angewendet werden, wo es darum geht Muskeln zu schwächen
anstatt sie zu lähmen. Die Wirkung hält lange an,
lässt langsam nach und macht daher Fehler reversibel.
In 25 Jahren Anwendung gab es sehr wenige Problemfälle,
berichten die Wissenschaftler.
Deutsche Wissenschaftler haben das Toxin auch zur Unterdrückung
der Schweißabsonderung von Männern verwendet. Richard
Glogau, Dermatologe in San Francisco hat entdeckt, dass der
Wirkstoff bei der Behandlung von Falten im Gesicht auch Migräne
bekämpfen kann. In der jüngsten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Annals
of Internal Medicine" berichtet ein Forscherteam der Universität
in Hannover über eine erfolgreiche Anwendung von Botox
bei einem 90 Kilogramm schweren Mann, der nach Injektionen
in den Bauch innerhalb von vier Monaten neun Kilogramm Gewicht
verlor. Der Mann hatte bereits nach der Einnahme kleiner Mengen
von Nahrung ein Sättigungsgefühl.
"Es ist ein seltsames Schicksal des Toxins, das
in den 30-er Jahren fast zum Ende der Konservenindustrie
geführt hat,
heute als Medikament sensationelle Ergebnisse herbeizuführen",
so die Forscher. Wenn das Botox-Bakterium nämlich geschluckt
wird, hat es in den meisten Fällen eine letale Wirkung
für den Betreffenden, da sich das Toxin im Körper
potenziert.
pressetext.austria