London
(pte, 20. Feb 2003
Ein raffinierter
Fortschritt in der Mammographie
könnte eine Brustkrebsdiagnose zu einem früheren
Zeitpunkt möglich machen. Ein Forscherteam des University
College London hat entdeckt, dass Tumore
Röntgenstrahlen in einem bestimmten Winkel ablenken.
Damit werden sie unter gesunden Zellen leichter auffindbar.
Das Team unter der Leitung von Robert Speller hat bereits
eine neue Röntgenmethode entwickelt, die bisherige Mammographie-Techniken
in der Aussagekraft übertreffen soll.
Mit bestehenden Brustkrebs-Screening-Systemen ist es
schwer, Tumore mit einer Größe unter zehn Millimetern zu
erkennen, speziell bei Frauen unter 45 Jahren. Der Grund dafür
ist, dass sich gesundes Brustgewebe und Tumore in herkömmlichen
Mammographien kaum unterscheiden. Unter Physiker Speller entwickelt
das britische Team nun eine neue Methode, mit der Ärzte
Tumore bereits ab einer Größe von vier Millimetern
entdecken können. Zu diesem Zeitpunkt sind die Tumore
noch zu klein, um Metastasen zu bilden und auch leichter
operativ zu entfernen.
Basis der neuen Mammographie ist die Erzeugung eines charakteristischen
Streuungsmusters der Röntgenstrahlen durch die Tumorzellen.
Besonders groß ist gemäß den neuen Erkenntnissen
die Ablenkung vor allem in einem Winkel von neun Grad vom Hauptröntgenstrahl.
Mit einem zusätzlichen Detektor können diese Strahlen
aufgefangen werden. Passieren die Röntgenstrahlen das
kanzeröse Gewebe, wird das Signal also von einem zweiten
Detektor aufgefangen. Herkömmliche Verfahren messen nur
die Menge der vom bestrahlten Gewebe aufgenommenen Röntgenstrahlung.
Hellere Bereich im Röntgenbild stellen mögliche Tumore
dar. Nachteil der Methode ist laut Londoner Forschern in einem
Bericht im Fachblatt New Scientist, dass gesunde Zellen von
Tumorzellen aufgrund der ähnlichen Dichte schwer voneinander
abzugrenzen sind. Schwierig ist die Detektion von Knoten auch
bei jungen Frauen, deren Brustgewebe weniger Fett enthält.
Nach Angaben von Speller sind die ersten Ergebnisse mit
der neuen Technik vielversprechend. Getestet wurde sie
aber nur
an Gewebeproben. Das UCL-Team steht aber noch vor weiteren
Herausforderungen. Im Speziellen muss nach Wegen gesucht
werden, den Extra-Detektor und die Analyse-Elektronik in
bestehende
Mammographie-Systeme zu integrieren.