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endometriose

Endometriose erstmals
vor 300 Jahren
beschrieben

 


Entgegen der Meinung, bei der Endometriose handle es sich um ein Leiden, das durch den modernen Lebensstil hervorgerufen werde, fand ein New Yorker Historiker nun heraus, daß europäische Ärzte schon vor 300 Jahren die Endometriose beschrieben.

 
 

Ärzte aus England, Schottland, Deutschland und Holland beschrieben detailiert die Symptome und die Pathologie der Endometriose, und wußten, daß die Veränderungen meist um die Zeit der ersten Menstruation beginnen. Dies berichtet Dr. Vincent J. Knapp von der State University of New York, Potsdam, in der letzten Ausgabe von Fertility and Sterility.

Bei der Endometriose handelt es sich um das Vorkommen von endometriumähnlichem Gewebe außerhalb der physiologischen Schleimhautauskleidung der Uterushöhle, das ähnlichen zyklischen Veränderungen unterworfen ist, wie das Endometrium. Die Ursache ist nicht genau bekannt, eventuell handelt es sich um eine Verschleppung und Implantation von menstruell abgestoßenem Endometrium. Man unterscheidet die Endometriosis uteri interna mit Lokalisation in der Uterusmuskulatur und den Tuben, die Endometriosis uteri externa, die sich vor allem in den Ovarien, dem Douglas-Raum und auch in den Tuben findet, und die Endometriosis extragenitalis mit ektoper Schleimhaut z.B. in der Bauchdecke, der Harnblase oder der Lunge.

Die Leitsymptome sind:

1. Dysmenorrhoe mit auffallend starken Schmerzen bei der Menstruation,

2. eine verstärkte und verlängerte Menstruationsblutung, und

3. ein leicht vergrößerter und derber Uterus.

Im allgemeinen wird die Endometriose für ein Resultat der modernen industriellen Entwicklung des 20. Jahrhunderts gehalten. Dr. Knapp, der alte Texte aus der National Library of Medicine analysierte, glaubt Anhaltspunkte dafür gefunden zu haben, daß die Endometriose in Europa schon seit mindestens 300 Jahren existiert.

In einem 1690 veröffentlichen Buch, beschreibt der deutsche Arzt Daniel Shroen eine weibliche Erkrankung, bei der Geschwüre im Abdomen, der Harnblase, den Eingeweiden und außerhalb des Uterus und der Cervix auftreten, die zu Verwachsungen führen. Shroen beschreibt weiter daß die Veränderungen zeitlich mit dem Beginn der Pubertät zusammenfallen. Diesem ersten Bericht über die Endometriose folgen noch 11 weitere Studien im 18. Jahrhundert, die alle das gleiche Zustandsbild beschreiben. Dabei fällt auf, daß es sich anscheinend um eine recht häufige und bekannte Erkrankung gehandelt haben muß, da keiner der Autoren für sich in Anspruch nimmt, etwas Neuartiges entdeckt zu haben.

Im Jahr 1769 beschreibt der schottische Arzt Arthur Duff eine Entzündung im Bereich des Uterus als eine "langandauernde und gut bekannte pathologische Störung". Der englische Arzt Philibertus Hoctin schreibt 1779, daß die Erkrankung sowohl von "früheren Autoren, als auch von Forschern der jüngsten Zeit" anerkannt werde.

Zahlreiche Ärzte des 18. Jahrhunderts argumentierten gegen die Meinung ihrer Zeitgenossen, die meinten, die Frauen litten an Hysterie, damit, daß die starken Schmerzen der Endometriose verantwortlich sein könnten. Der holländische Arzt Antonius Ludgers schreibt 1776: "Bei der Hysterie handelt es sich nicht um eine Idiosynkrasie, die wir dem weiblichen Anteil der Bevölkerung zuschreiben können, sondern offensichtlich um ein wichtiges Symptom dieser tief verwurzelten Krankheit."

Der Arzt Louis Brotherson, ein Schotte, beschreibt im Jahr 1774 den Zustand folgendermaßen: "Im schlimmsten Stadium betrifft diese Krankheit das Wohlbefinden der weiblichen Patientin vollkommen und zu ihrem Schlechtesten, ihr ganzer Geist ist gebrochen, und trotzdem lebt sie in der Angst vor immer weiteren Symptomen, wie neuerliche Schmerzen."

Dem Scharfsinn der Medizin des 18. Jahrhundert müsse man, so Dr. Knapp, was die Erforschung der Endometriose betrifft, Respekt zollen, angesichts der treffenden Beschreibung der physiologischen und pathologischen Manifestationen der Erkrankung.

Quelle: Fertility and Sterility 1999;72:10-14

 
 

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