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Hämorrhoiden

 

 

Hämorrhoiden sind knotenförmige Erweiterungen des so genannten Schwellkörpers oberhalb der Schließmuskeln im After. Auf der Grundlage einer angeborenen Bindegewebsschwäche wird ihre Bildung durch verschiedene Faktoren wie ständige Verstopfung, starkes Pressen beim Stuhlgang, vorwiegend sitzende Tätigkeit, Übergewicht und Schwangerschaft begünstigt bzw. ausgelöst. Schätzungen zufolge sind über 50 % aller Menschen jenseits des 30. Lebensjahres von der Erkrankung betroffen. Typische Symptome sind schmerzlose, hellrote anale Blutungen (als Stuhlauflagerungen, auf dem Toilettenpapier oder tropfend), Jucken, Stechen, Brennen, Nässen und das Gefühl unvollständiger Entleerung. Zunächst von außen nicht sicht- oder tastbar, wölben sich Hämorrhoiden in fortgeschritteneren Stadien in den Analkanal vor und treten mitunter während des Stuhlgangs bei stärkerem Pressen vor den After. Dabei kann es zu Einklemmungen kommen, die starke Schmerzen verursachen. Die Diagnose wird über die Tastuntersuchung der Analregion und eine Darmspiegelung gewonnen. Bei der Behandlung von Hämorrhoiden wird zunächst über viel Bewegung und eine Umstellung der Ernährungsgewohnheiten versucht, den Stuhlgang zu regulieren. Mit Hilfe von Hämorrhoidensalben und entzündungshemmenden Zäpfchen können leichtere Beschwerden gemindert werden. Bei stärkerer Ausprägung erfolgt die Behandlung über eine Verödung der beteiligten Gefäße und des umgebenden Gewebes (Sklerosierungstherapie, Infrarotkoagulation) oder durch die chirurgische Entfernung der Hämorrhoiden.

Definition

Fortgeschrittene Hämorrhoiden

Hämorrhoiden (lat. haíma = Blut, rhéin = fließen) sind knotenförmige Erweiterungen einzelner Abschnitte des von Arterien und Venen versorgten Schwellkörpers (=Corpus cavernosum recti), der oberhalb der muskulären Schließmuskeln am Darmausgang liegt. Meist wölben drei Knoten, die an der Einmündung der Arterien in den Schwellkörper liegen, die Schleimhaut vor.
Es handelt sich dabei um eine schon den antiken Ärzten bekannte Krankheit, deren griechischer Name haimorrhoideis phlebes mit der Bedeutung "blutfließende Adern" über das Lateinische im 18. Jahrhundert ins Deutsche entlehnt wurde.

Anatomie

Der Darm ist der schlauchförmige Teil des Verdauungstraktes zwischen Magenausgang und After. Er besteht aus dem etwa 5-6 m langen Dünndarm (lat. intestinum tenue), dem 1,5 m langen Dickdarm (lat. intestinum crassum) und dem 20 cm langen Mastdarm (lat. intestinum rectum).

Die wesentliche Aufgabe des Mastdarms besteht in der Speicherung des Kots, damit dieser nicht wiederholt in kleinen Mengen, sondern im Allgemeinen nur einmal täglich ausgeschieden werden muss. Das eigentliche Speicherorgan dabei ist die so genannte Ampulla recti. Sie bildet den oberen Abschnitt des Mastdarms und ist stark erweiterungsfähig. Der etwa 3-4 cm lange Endabschnitt des Verdauungskanals, der so genannte After- oder Analkanal (lat. anus = Ring, After), dient dem gas- und stuhldichten Verschluss.

Der lateinische Name rectum für den Mastdarm mit der Bedeutung "gerade" ist irreführend und wurde aus der Tieranatomie übernommen. Durch die S-förmige Biegung des Mastdarms lastet die Kotsäule nicht auf dem Afterkanal, sondern auf dem Beckenboden. Erst bei der Ausscheidung streckt sich der Mastdarm, so dass die Kotsäule nach unten gleiten kann. Darüber hinaus sind drei verschiedene Schließmuskeln und der so genannte Schwellkörper am Verschluss des Afterkanals beteiligt. Dieser Schwellkörper liegt im oberen Abschnitt des Afterkanals. Hier ist die Schleimhaut zu mehreren Längsfalten, den Aftersäulen, eingefaltet, die arterielle und venöse Gefäße enthalten. Die aus den Aftersäulen abfließenden Venen durchfließen teilweise die Schließmuskeln. Ziehen sich diese zusammen, ist der Blutfluss behindert und die Schleimhaut schwillt an, wodurch sich die Aftersäulen aneinander legen und den Kanal auch gasdicht verschließen.

Ursachen

Hämorrhoiden entstehen durch eine Vergrößerung des arteriellen Gefäßgeflechts im Schwellkörper, des so genannten Plexus haemorrhoidalis. Hoher Druck im Analbereich durch z.B. dauerhafte Verstopfung und starkes Pressen bei der Stuhlentleerung, der zu einem Rückstau des Blutes in den Venen und Arterien des Schwellkörpers führt, trägt wesentlich zur Entstehung bei. Darüber hinaus wirken verschiedene Faktoren wie eine angeborene Schwäche des Bindegewebes, die zur Erschlaffung der Schließmuskeln führt, überwiegend sitzende Tätigkeit, Übergewicht und Schwangerschaft begünstigend auf die Ausbildung von Hämorrhoiden.

Häufigkeit

Hämorrhoiden sind eine häufige Erkrankung. Da viele Patienten mit leichten Beschwerden im Analbereich nicht zum Arzt gehen, sind genaue Zahlen nicht bekannt. Schätzungen gehen jedoch davon aus, dass bei über 50 % aller Menschen jenseits des 30. Lebensjahres Hämorrhoiden nachweisbar sind.

Symptome

In Abhängigkeit von der Ausprägung der Hämorrhoidenbildung wird die Erkrankung in drei Stadien unterteilt, die mit unterschiedlichen Symptomen einhergehen:

Stadium I

In diesem Stadium sind die Knoten klein und von außen nicht sichtbar. Sie können sich von allein, ohne spezielle Behandlungsmaßnahmen zurückbilden und verursachen häufig keinerlei Beschwerden. Da die Afterschleimhaut im Inneren des Afterkanals schmerzunempfindlich ist, bestehen zu diesem Zeitpunkt noch keine Schmerzen. Die betroffenen Patienten bemerken die Erkrankung meist durch gelegentlich auftretende Auflagerungen von hellrotem Blut auf dem Stuhl oder auf dem Toilettenpapier.

Stadium II

Hierbei sind die Knoten bereits größer. Sie können sich ohne entsprechende Therapie nicht mehr spontan zurückbilden. Mitunter werden sie beim Stuhlgang teilweise vor die Afteröffnung gepresst und ziehen sich anschließend von selbst wieder in den Analkanal zurück. Es können Schmerzen auftreten, die von der stark schmerzempfindlichen Afterhaut ausgehen. Weitere Symptome in diesem Stadium sind schmerzlose Blutungen bei der Stuhlentleerung, die entweder als Stuhlauflagerung oder als tropfende Blutungen auftreten können, Brennen und Jucken (=Pruritus) im Afterbereich und Nässen. Die Patienten schildern, nach dem Stuhlgang das Gefühl unvollständiger Entleerung bzw. ein Fremdkörpergefühl zu haben.

Stadium III

In diesem Stadium fallen die Knoten bei der Stuhlentleerung oder auch spontan vollständig vor die Afteröffnung und ziehen sich nicht mehr von selbst in den Analkanal zurück. Es kann dabei zu einem so genannten Analprolaps kommen, bei dem sich neben den Hämorrhoiden auch die Schleimhaut des Afterkanals bis zu zwei Zentimetern aus dem After herausstülpt. Die Patienten leiden unter Stechen, Brennen und Jucken im Afterbereich und unter der Absonderung von Schleim, die zur Verschmutzung der Unterwäsche führt. Sie berichten auch hier von dem Gefühl unvollständiger Stuhlentleerung bzw. einem permanenten Fremdkörpergefühl im Afterbereich. Auch treten Blutungen, die sehr massiv sein können, und Schmerzen auf. Die Beschwerden werden durch Wärme, z.B. beim Einhalten von Bettruhe, verstärkt.

Komplikationen

Da die knotigen Veränderungen im Bereich der Einmündungsstellen der arteriellen Gefäße in den Schwellkörper entstehen, können bei ihrer Verletzung, z.B. durch starkes Pressen beim Stuhlgang oder durch das Wischen mit Toilettenpapier, massive arterielle Blutungen entstehen, die medizinisch behandelt werden müssen. Insbesondere Patienten mit arteriellem Bluthochdruck sind hierfür gefährdet.

Im fortgeschrittenen Stadium, wenn die Hämorrhoiden häufiger vor die Afteröffnung treten, kann es zur Einklemmung eines Knoten (=Inkarzeration) kommen, die heftige Schmerzen verursacht und mit einem Blutstau in den Gefäßen des Knotens verbunden ist. In der Folge kann sich eine dunkelrote Stauungsblutung entwickeln. Durch den Blutstau fließt das Blut in den abfließenden Venen des Schwellkörpers langsamer, wodurch sich Blutgerinnsel (=Thrombosen) bilden und zum Verschluss der Venen führen können. Auch hierbei erleben die betroffenen Patienten heftigste Schmerzen. Darüber hinaus kann durch eine länger anhaltende Durchblutungsstörung das Gewebe im eingeklemmten Knoten absterben.

Hämorrhoiden, die permanent vor der Afteröffnung liegen, sind durch das Wischen mit Toilettenpapier häufig wund. Nässende, ekzemartige Hautveränderungen (Ekzem = "Juckflechte") und Geschwüre, so genannte Analfissuren, können entstehen. Da der Stuhl reichlich Bakterien enthält, bilden sich an wundgeriebenen Knoten leicht Infektionen aus. Mitunter entstehen aus solchen Infektionen größere Eiterherde, so genannte Abszesse, die chirurgisch entfernt werden müssen. Auch die Bildung von tiefen, ständig entzündeten Gängen (=Analfisteln), die zur Haut, zum Mastdarm oder in das Becken durchbrechen können, ist möglich.

Diagnose

Die vom Patienten geschilderten Beschwerden geben häufig Anlass, ein vorliegendes Hämorrhoidalleiden zu vermuten. Allerdings lassen sich die Symptome nicht sicher von denen anderer Erkrankungen abgrenzen. Insbesondere bei Blutungen während des Stuhlgangs muss ein bösartiger Tumor im Bereich des Dick- und Mastdarms (=kolorektales Karzinom) als Ursache ausgeschlossen werden. Deshalb sollte in jedem Fall eine eingehende körperliche Untersuchung des Patienten erfolgen, bei der die Analregion getastet wird (=Palpationsuntersuchung). Knotige Veränderungen lassen sich auf diese Weise feststellen.

Zur Sicherung der Diagnose erfolgt in der Regel eine Spiegelung des Analkanals (=Proktoskopie) und des Rektums (=Rektoskopie). Um bei Blutungen einen bösartigen Tumor im Bereich des Dickdarms als Blutungsursache auszuschließen, wird die Untersuchung häufig mit einer Spiegelung des Dickdarms verbunden (=Koloskopie).

Therapie

Hämorrhoiden müssen nicht unbedingt behandelt werden, wenn sie keine oder nur gelegentliche Beschwerden verursachen. Wichtig ist allerdings, dass bei Blutungen im Stuhl durch eine entsprechende Untersuchung ein bösartiger Tumor ausgeschlossen wird.

Eine entscheidende Maßnahme zur Linderung von Hämorrhoidalbeschwerden ist die vernünftige Regulierung der Stuhlentleerung. Dazu gehören eine ausgewogene ballaststoffreiche Ernährung in Form von Gemüse und Obst, die Vermeidung blähender Speisen und reichliche Trinkmengen. Bei dauerhaften Verstopfungsbeschwerden hilft in vielen Fällen eine tägliche Einnahme von Weizenkleie mit viel Flüssigkeit.

Wichtig ist darüber hinaus eine gute Analhygiene. Sitzbäder und Umschläge mit Borwasser, Kamille oder Teebaumöl sind dabei zu empfehlen. Leichtere Beschwerden können meist erfolgreich mit Hämorrhoidalsalben oder Zäpfchen behandelt werden, die auf der Basis von Kortison hergestellt sind und entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken. Von einer unkontrollierten, dauerhaften Anwendung dieser Präparate ist allerdings abzuraten, da sie Hautschädigungen verursachen können.

Bei stärkeren Symptomen kommen verschiedene Therapieformen in Betracht. Hämorrhoiden in den Stadien I und II können mit der so genannten Sklerosierungstechnik verödet werden. Hierbei wird den Patienten an den Gefäßzuflüssen der Hämorrhoiden ein Mittel (z.B. 5 %iges Phenolmandelöl) gespritzt, das zur Schrumpfung und Verfestigung des Gewebes führt. Auch die so genannte, völlig schmerzfreie, Gummibandligatur nach Barron (Ligatur = Abbinden) kann angewendet werden. Bei dieser Methode werden die Hämorrhoiden mit Hilfe eines Gummibandes abgeschnürt, so dass ihr Gewebe innerhalb weniger Tage abstirbt und sie abgestoßen werden. Eine weitere Behandlungsmethode ist die Infrarotkoagulation, bei der die Hämorrhoidalknoten durch eine Infrarotsonde verödet werden.

Zeigen diese nichtchirurgischen Verfahren keine Erfolge, oder liegen Hämorrhoiden im Stadium III vor, muss in der Regel die operative Entfernung der Knoten erfolgen.

Prognose

Hämorrhoiden sind meist erfolgreich zu behandeln. Problematisch ist, dass sich viele Patienten scheuen, mit ihren Symptomen einen Arzt aufzusuchen, und die Erkrankung längere Zeit unbehandelt fortschreitet. Die Behandlung mit Hämorrhoidalsalben und Zäpfchen bewirkt zwar in vielen Fällen eine schnelle Linderung der Beschwerden, beseitigt jedoch nicht die eigentliche Erkrankung. Eine frühzeitige Therapie, die zur Entfernung der Hämorrhoiden führt, ist daher sinnvoll und anzuraten. Ein späteres, erneutes Auftreten von Hämorrhoiden (=Rezidivbildung) ist dabei allerdings möglich.

Prophylaxe

Die Entstehung von Hämorrhoiden kann in vielen Fällen nicht vollständig verhindert werden, da neben anderen Faktoren auch eine angeborene Bindegewebsschwäche eine wesentliche Rolle dabei spielt. Allerdings ist es möglich, durch eine bewusste Ernährung und eine geregelte Stuhlentleerung das Fortschreiten der Erkrankung hinauszuzögern und bestehende Beschwerden zu lindern. Körperliche Bewegung in Form von Spaziergängen oder Schwimmen unterstützt diese positiven Effekte.

 
 

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