Die Verwendung
von Intrauterinpessaren zur Empfängnisverhütung
hat in den letzten Jahren zugenommen. Vor allem die hohe Anwendungssicherheit
und Unabhängigkeit von der Compliance werden geschätzt. Zur
weiteren Verbreitung intrauteriner Kontrazeptionssysteme hat
sicher auch eine neue Form des Intrauterinpessars beigetragen
- die Hormonspirale Mirena®, die sich durch eine verbesserte
kontrazeptive Sicherheit auszeichnet.
Hohe Sicherheit
Daten
aus der Beobachtung von 11.269 Frauenjahren ergaben einen Pearl-Index
von 0,13 (für orale Kontrazeptiva bei ~2,5, für Kupfer-haltige
IUPs ~1,5). Durch die Hormonspirale werden positive Eigenschaften
der unterschiedlichen Kontrazeptionsmethoden kombiniert. Das
Prinzip der Hormonspirale Mirena® besteht in einer lokal hohen
Wirkstoffkonzentration des Gestagens im Bereich des Endometriums,
bei gleichzeitig geringem systemischem Hormonspiegel (unterhalb
jener der Minipille). Nach 6 Monaten ist daher bei 85% der
Frauen eine Ovulation nachweisbar.
Es kommt zu keiner Verminderung
des Östradiols im Serum, auch nicht bei jenen Frauen die eine
Amenorrhoe entwickeln. Nur selten kommt es zur Anovulation
mit erhöhter Follikelaktivität oder Ovulation mit inadäquater
Lutealphase. Blutungsmuster Levonorgestrel ist ein seit vielen
Jahren bekanntes und systemisch verwendetes Gestagen (20mcg/24h
werden freigesetzt).
Die lokale Anreicherung des Gestagens
im Endometrium führt zu einer Östrogenblockade Es zeigt sich
ein ausgeprägter antiöstrogener und antimitotischer Effekt.
Die atrophischen Veränderungen des Endometriums vollziehen
sich innerhalb von 3 bis 6 Zyklen, sind aber nach der Entfernung
von Mirena voll reversibel.
Es ist wichtig, die Frau im Aufklärungsgespräch
auf die Möglichkeit von Blutungsstörungen in den ersten
Monaten nach dem Einsetzen hinzuweisen, wobei mit einer
lokalen Therapie
diese Blutungen erfolgreich behandelt werden können.
Diese Blutungsstörungen werden in weiterer Folge von
einer Verminderung der Blutungsstärke und -dauer abgelöst.
In ca. 20% tritt unter Mirena® eine Amenorrhoe
auf, auch dieser Umstand
ist in der Aufklärung wichtig. Zuletzt wurden mögliche
Beeinträchtigungen
in der Beurteilbarkeit des zytologischen Vorsorgeabstriches
durch das Gestagen-IUP diskutiert: Auf der Zuweisung sollte
dem Zytologen die Anwendung der Gestagenspirale mitgeteilt
werden, dann ist auch eine suffiziente Befundung des Zervixabstriches
gewährleistet.
"watchful waiting"
Ovarialzysten
werden beim Einsatz der Hormonspirale vor allem am Beginn
häufig diagnostiziert.
In den bisher durchgeführten kontrollierten Studien konnte
jedoch nur eine signifikante Häufung gegenüber Pillenanwenderinnen
gezeigt werden, nicht jedoch gegenüber einem Kollektiv
ohne hormonelle Kontrazeption. Ein wichtiger Faktor ist
sicherlich
auch, dass bei der IUP-Anwendung häufiger Ultraschalluntersuchungen
durchgeführt werden und daher Ovarialzysten auch häufiger
diagnostiziert werden. Vor allem während der ersten Anwendungsmonate
zeigt sich aber eine sehr hohe Spontanremissionrate der
Ovarialzysten.
Große Studien konnten zeigen, dass bei Verwendung der Hormonspirale
weniger Adnexitiden und Extrauteringraviditäten auftreten,
auch im Vergleich zu Frauen ohne Kontrazeption.
Therapie
von Blutungsstörungen
Neben dem primären Einsatz zur Kontrazeption
ergeben sich auch zunehmend Einsatzgebiete durch positive
Wirkungen bei Dysmenorrhoe und Hypermenorrhoe, eventuell
auch bei Endometriose
und Uterusmyomen.
Menorrhagie ist ein häufiges und oft
schwierig zu behandelndes Problem, das bisher in bis zu
60% durch Hysterektomie "gelöst" wurde.
Eine kürzlich im British Journal of Obstetrics & Gynecology
publizierte Studie zeigte, dass bei Frauen, die wegen therapieresistenter
Menorrhagie zur Hysterektomie oder Endometriumablation
vorgesehen waren, in 82% durch den Einsatz von Mirena® der
operative Eingriff
vermieden werden konnte.
Durch die Levonorgestrel-Hormonspirale
wird bei Frauen mit Menorrhagie eine signifikante Reduktion
des Blutverlustes (86% nach 3 Monaten und 97% nach 12 Monaten)
erreicht. Daraus resultierte ein klinisch signifikanter
Anstieg der Hämoglobin- und Eisenspiegel.
Mirena® - die
erste Wahl
In einer randomisierten Studie zeigt sich im
Vergleich mit der
systemischen Norethisterongabe zur Behandlung von Menorrhagie
eine überlegene Wirksamkeit von Mirena®. Auffallend war
vor allem die signifikant höhere Rate von Patientenzufriedenheit
und fortgesetzter Compliance (76% vs. 22% nach 3 Zyklen).
Bei dysfunktionellen uterinen Blutungen ist im direkten
Vergleich
mit der operativen Therapie (Endometriumablation) eine
gleich hohe Patientenzufriedenheit nach 12 Monaten von
94% zu sehen.
Dies spricht sicher für die Vermeidung der Operation, die
neben dem Operationsrisiko einen nicht reversiblen Eingriff
darstellt.
Die Hormonspirale erweist sich damit in einer Entscheidungsanalyse
als Therapie der ersten Wahl bei den angeführten Blutungsstörungen.
Bei Frauen ohne Menorrhagien verringert sich der Blutverlust
nach einem Monat um 40%, nach 3 Monaten um 60% und nach
12 Monaten um mehr als 75%.
Die Studienergebnisse zum Einsatz
der Gestagenspirale zeigten auch eine signifikante Verbesserung
hinsichtlich prämenstruellem Syndrom (56%) und Dysmenorrhoe
(80%).
Conclusio
Die intrauterine Gestagenabgabe durch
Mirena® ergibt eine sichere und gut verträglich kontrazeptive
Wirkung. Bei Frauen die an Menorrhagien und Dysmenorrhoe
leiden, konnte
eine effektive therapeutische Wirkung mit hoher Erfolgsrate
und Patientenzufriedenheit (90%) gezeigt werden. Darin
finden sich über die kontrazeptive Wirkung hinaus neue
Therapieindikationen.
Autor: Univ.-Prof.
Dr. Christian Kainz Universitätsklinik
für Frauenheilkunde Wien