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28.09.2004
"Muttermilch ist für sehr viele Frauen die einfachste, gesündeste,
billigste und beziehungsförderndste Form der Säuglingsernährung",
unterstreicht Magdalene Glück, die Stillbeauftragte des Hebammenverbandes
Pforzheim/Enzkreis aus Königsbach-Stein, gegenüber der "Pforzheimer
Zeitung".
Ausschließlich stillen heißt, dass das Kind von Anfang an nur Muttermilch erhält,
keine Glukose, keinen Tee, keine künstliche Nahrung. "In Pforzheim und dem Enzkreis
wird das sehr häufig praktiziert", lobt Magdalene Glück, "zugefüttert wird in
den ersten Tagen, wenn nötig, nur Wasser oder eiweißfreie Spezialnahrung, bis
sich das Stillen eingespielt hat." Kunstmilch werde nur bei bestehendem Muttermilchmangel
oder auf ausdrücklichen Wunsch der Mutter eingesetzt.
Das Stillen habe vielfältige positive Auswirkungen, unterstreichen die Hebammen.
So gebe es der Darmflora des Kindes die optimale Chance zur Ausreifung, was wiederum
die Immunabwehr und den Umgang mit Allergenen stärke. Durchfallerkrankungen und
Lungenentzündungen würden weltweit wesentlich reduziert. Zudem enthalte Muttermilch
genau die richtige Menge an Kalorien, Eiweiß, Vitaminen und Nährstoffen, die
das Baby brauche. Auch passe sich die Zusammensetzung der Muttermilch ganz ideal
dem Alter des Säuglings an.
"In der Muttermilch ist alles vorhanden, was das
Baby in den ersten sechs Lebensmonaten benötigt", betont Hebamme Glück. Um sicher
zu sein, dass das Kind genügend Milch bekomme, sollte die Mutter möglichst bald
nach der Geburt mit dem Stillen beginnen. Das stimuliere die Milchproduktion.
Das Neugeborene solle so häufig saugen dürfen, wie es möchte, Tag und Nacht.
Die Mutter solle das Kind jedes Mal so lange trinken lassen, wie es will.
Ein
Baby, das zusätzliche Nahrung bekomme, sei weniger hungrig und trinke geringere
Mengen aus der Brust. Dann produziere die Mutter weniger Milch. "Die fremde Nahrung
erhöht nicht die Trinkmenge des Babys, sondern ersetzt die Muttermilch", warnen
die Hebammen. Hier gelte das Gesetz, die Nachfrage regelt das Angebot. "Mütter
brauchen eine stillfreundliche Umgebung, korrektes Wissen und Selbstvertrauen,
um erfolgreich stillen zu können."
Weltweit werden nur
39 Prozent aller Babys in den ersten vier Monaten voll gestillt. Magdalene Glück
bedauert das: "In vielen Ländern der Erde führt die frühzeitige Ernährung von
Babys mit Kunstmilch zu Mangelkrankheiten und Infektionen bis hin zum Tod. Ursachen
sind Unwissenheit, Armut und mangelnde Hygiene." Auch die Gesundheit der Wöchnerinnen
und die Verhütung von weiteren Schwangerschaften hänge weltweit nicht unwesentlich
vom ausschließlichen Stillen ab
PFORZHEIMER ZEITUNG
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