| |
Heidelberg, 10.11.2003
Eine
neue Strategie in der Behandlung des Gebärmutterhalskrebses
soll die Heilungschancen der Patientinnen erhöhen: Heidelberger
Wissenschafter wollen gezielt die Aktivität eines bestimmten
Proteins hemmen und dadurch jene Körperzellen in den
Selbstmord treiben, die mit dem Humanen Papillomavirus (HPV)
infiziert sind. Rund 70 Prozent aller Tumoren des Gebärmutterhalses
sind auf zwei gefährliche Varianten dieser Virengruppe
zurückzuführen, die normalerweise lediglich harmlose
Warzen verursacht.
In Deutschland erkranken jährlich rund 7.000 Frauen an dem so genannten
Zervixkarzinom. 2.000 sterben im gleichen Zeitraum an den Folgen. Weltweit registrieren
die Ärzte pro Jahr eine halbe Million Neuerkrankungen und 350.000 Todesfälle.
Die Therapie erfolgt meist durch Operation oder eine Laserbehandlung des befallenen
Gewebes. Doch nicht immer führt dies zum Erfolg, wie das Deutsche Krebsforschungszentrum
in Heidelberg betont: Besonders in fortgeschrittenen Stadien sei eine vollständige
Heilung weniger wahrscheinlich.
Problem Papillomavirus
"
Papillomaviren stellen ein großes medizinisches Problem
dar", betonen die Experten. Die Erreger, die über
Sexualkontakte übertragen werden, verursachen in der Gebärmutterschleimhaut
zunächst gutartige Veränderungen, die sich in den
meisten Fällen wieder zurückbilden. Doch bei einem
geringen Prozentsatz der Frauen entarten die veränderten
Zellen, und es bildet sich ein Krebsgeschwür. Die Heidelberger
Mediziner haben nun ein bestimmtes Virus-Gen ins Visier genommen,
dem eine entscheidende Rolle bei diesem Prozess zufällt:
Denn nur mit Hilfe des Proteins E6 sichert sich der Erreger
sein Überleben.
E6 bindet sich an ein anderes Protein namens p53, das im Normalfall dafür
sorgt, dass sich befallene Zellen selbst töten und nicht bösartig vermehren.
Das Virus-Gen blockiert diese Funktion, so dass die Zellen am Leben bleiben.
Mit einer neuen molekularbiologischen Methode, der so genannten RNS-Interferenz,
wollen die Wissenschafter nun die Aktivität von E6 blockieren. Dadurch könne
das Protein p53 ungehindert seiner Aufgabe nachkommen und den Zelltod, die so
genannte Apoptose, einleiten. Noch sei allerdings nicht genau geklärt, wie
dieses Verfahren als Therapiemethode eingesetzt werden könne. Es müssten
vor allem Wege gefunden werden, die für die Behandlung notwendigen Moleküle
in die infizierten Zellen einzuschleusen, betonen die Forscher. (APA/AP)
© 2003
derStandard.at
|