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dpa, SAN FRANCSCO, 03.05.2004
Aimin Chen und Walter Rogan
vom US-National Institute of Environmental Health Sciences
in Research Triangle Park/North Carolina haben
die National Maternal and Infant Health Survey (NMIHS), eine
Langzeituntersuchung zu perinatalen Risiken zur Grundlage ihrer
Untersuchung gemacht. Sie analysierten die Daten von 1 204
Kindern, die nach dem 28. Lebenstag und vor Ende des ersten
Lebensjahres starben, wobei Fehlbildungen und Krebserkrankungen
ausgeschlossen wurden. Die Kontrollgruppe bildeten 7 740 Kinder,
die die Postneonatal-Periode überlebten.
Ziel der Fall-Kontroll-Studie
war es, Aufschlüsse über den Einfluss des Stillens auf die
Sterblichkeit zu erhalten. Dass die Muttermilch Antikörper
enthält, die die Säuglinge vor Infektionen schützt und auch
die Morbidität der Kinder senkt, ist bekannt. Bislang unklar
war, ob sich dies in den Industrieländern vor dem Hintergrund
eines modernen Gesundheitssystems mit effektiven Behandlungsmöglichkeiten
auswirkt.
Die Antwort lautet in der Sprache der Epidemiologen:
Kinder, die zu irgendeinem Zeitpunkt gestillt wurden, hatten
ein um 21 Prozent niedrigeres Risiko in der Postneonatal-Periode
zu sterben (relatives Risiko RR = 0,79; 95-Prozent-Konfidenzintervall
0,670,93). Je länger die Mütter ihre Babys stillen, desto
ausgeprägter ist die protektive Wirkung. Der Schutz ist keineswegs
auf Infektionskrankheiten beschränkt, denn die Kinder starben
auch seltener an Verletzungen (RR 0,59; 0,380,94) und am plötzlichen
Kindstod (RR: 0,84; 0,671,05). Man darf annehmen, dass das
Stillen ein Marker für andere Faktoren ist, die sich günstig
auf die Säuglingssterblichkeit nach dem ersten Monat auswirken.
Da die Säuglingssterblichkeit in den Industrieländern gering
ist, wirkt sich eine Senkung des relativen Risikos um 21 Prozent
nicht sehr stark auf das absolute Risiko aus. Die Gefahr, dass
ein Säugling stirbt, weil es nicht gestillt wird, ist sehr
gering. Auf die US-Bevölkerung bezogen, sind die Zahlen durchaus
bemerkenswert. Die Autoren schätzen, dass durch die Förderung
des Stillens in den USA jedes Jahr 720 Todesfälle in der Postneonatal-Periode
vermieden werden könnten.
Das höchste Sterberisiko haben extreme Frühgeburten. In der Studie von Jareen
Meinzen-Derr vom Cincinnati Children's Hospital Medical Center und Mitarbeitern
waren dies Kinder mit einem Geburtsgewicht von 401 bis 1 000 Gramm. Diese Kinder
sind extrem infektionsgefährdet. Etwa 30 Prozent entwickeln in den ersten Lebenswochen
eine Sepsis, und 20 Prozent der Kinder sterben daran.
Die Autoren wollten wissen,
ob eine Ernährung der Kinder mit Muttermilch die Sterblichkeit senkt. Die extremen
Frühgeborenen sind zwar noch zu klein, um gestillt zu werden. Die abgepumpte
Muttermilch kann ihnen jedoch als Sondennahrung zugeführt werden. In einer randomisierten
Studie, in der die Wirkung einer Glutamin-Supplementierung untersucht wurde,
entwickelten Kinder, die Muttermilch erhalten hatten, seltener eine Sepsis (“late
onset sepsis”, LOS) als Kinder, die keine Muttermilch erhielten. In Zahlen: Kinder
mit LOS hatten 29 Prozent ihrer Kalorien als Muttermilch erhalten, bei Kindern
ohne Sepsis lag der Anteil bei 33 Prozent. Kinder mit LOS hatten später Muttermilch
erhalten (im Mittel nach zehn versus neun Tagen; p<0,040) und sie hatten weniger
Tage Muttermilch erhalten (im Mittel 32 versus 37 Tage;p=0,010).
Beide Arbeitsgruppen
sehen in ihren Ergebnissen einen klaren Beweis für die protektive Wirkung der
Muttermilch. Die Pädiater sollten den Müttern zum Stillen raten, auch wenn dies,
wie im Fall der extrem Frühgeborenen, mit größeren Umständen verbunden ist.
© Deutscher Ärzte-Verlag
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