Wien
(pte, 18. Juni 2003)
Am Beginn
der Hauptreisezeit warnen Mediziner wieder
vor den Gefahren von sexuell übertragbaren Krankheiten.
In den vergangenen Jahren sind nicht nur weltweit, sondern
auch in Österreich sexuell-übertragbare Krankheiten
(sexually transmitted infections-STI) rapide angestiegen.
Alleine bei Syphilis gab es in den Jahren 1993 bis 2002 einen
Anstieg um 338 Prozent. Auch die Fälle von Gonorrhoe
weisen ähnliche Zahlen auf. Ungeschützter Sexualverkehr
trotz AIDS-Warnung, hohe Promiskuität, Sextourismus
sowie die Geheimprostitution nach der Öffnung der Ostgrenzen
werden dafür verantwortlich gemacht, erklärte der
Mediziner Stephan Madersbacher, heute, Mittwoch, anläßlich
einer Präsentation der Gefährlichkeit von STIs.
"Weltweit sind 300-400 Mio. Menschen von STI
betroffen. 90 Prozent der Infizierten sind unter 40 Jahre
alt. Viele der Patienten
sind aber sehr jung", so, Madersbacher, der Leiter
der Urologie am Wiener
SMZ-Ost,
ist. Nach Angaben der Weltbank stellen die STI den zweitgrößten
Kostenfaktor der Erkrankungen der 15- bis 44-Jährigen
dar. Wien sei nicht anders. "Der Trend hat voll auf
uns übergegriffen.
Der jüngste Patient der vergangenen Woche war erst
16 Jahre alt", meint der Experte. "Die Mädchen
fürchten sich vor der Schwangerschaft und schlucken
alle die Pille, vor den Infektionen fürchtet sich
niemand",
kritisiert der Mediziner. Noch schlimmer sind die Zahlen
in anderen Ländern wie zum Beispiel in Russland. "Dort
ist es in einigen Regionen gar zu einer Verhundertfachung
der Erkrankungszahlen gekommen. Ein enormes Problem bereitet
dabei
die Diagnose, denn die wird in der Ausbildung kaum oder
gar nicht mehr gelehrt", so Madersbacher. "Die
meisten Jung-Mediziner haben kaum jemals einen echten syphilitischen
Primäraffekt zu Gesicht bekommen". Deshalb bestehe
nach Ansicht des Experten sogar die Gefahr, dass die Infektion
gar nicht rechtzeitig entdeckt wird.
Die Folgen sind nicht nur bei Syphilis, die im Spät-Stadium
zu schweren neurogenen Schäden führt, enorm, sondern
auch bei der einfachen Gonorrhoe sehr gefährlich. "Gonorrhoe
kann zu lebenslanger Harnröhrenverengungen oder Verklebungen
der Eileiter mit Unfruchtbarkeit führen". Madersbacher
fordert dringend energische Maßnahmen in der Aufklärung
der Bevölkerung sowie der ärztlichen Aus- und Weiterbildung.
Neben den gefährlichen Infektionskrankheiten Syphylis
und Gonorrhoe bestehe auch ein hohes Risiko durch andere
bakterielle Infektionen wie Chlamydien, Myko- und Ureaplasmen
sowie durch
virale Infektionen wie Genitalwarzen und Herpes.